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Trips und Kurzreisen ganz nah: Lille
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Bienvenue chez les Ch'tis !
Während in vielen Regionen Europas tropische Temperaturen zur neuen Normalität geworden sind, wollten wir diesmal bewusst den Zauber der kalten Jahreszeit genießen. Uns war nach frischer Meeresluft, festlich geschmückten Straßen und einer bodenständigen Küche zumute. Unsere winterliche Entdeckungstour führte uns nach Lille und Wimereux im Norden Frankreichs.
WEIHNACHTSSTIMMUNG UND MOULES FRITES
Unser erster Halt war Lille, eine Stadt, die besonders in der Adventszeit ihre ganze Schönheit entfaltet. In der hübschen Altstadt fühlten wir uns gleich wie in einem Weihnachtsmärchen. Die historischen Fassaden aus Backstein und Naturstein leuchteten im Schein unzähliger Lichterketten. Auf den Plätzen duftete es nach Gewürzen, gerösteten Mandeln und heißem Punsch, während sich Einheimische und Besucher ganz relax zwischen den festlich dekorierten Buden bewegten.
Die verwinkelten Gassen des Vieux Lille luden dazu ein, sich treiben zu lassen. Hinter jeder Straßenecke entdeckten wir elegante Boutiquen, kleine Buchhandlungen oder traditionsreiche Cafés, deren Fenster von innen beschlagen waren. Uns ging es ohnehin nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken; wir wollten vielmehr den Augenblick genießen und den Charme dieser schönen Stadt auf uns wirken lassen.
HUMOR, HERZLICHKEIT UND POMMES FRITES
Um die Mittagszeit gingen wir uns ein kleines Restaurant in der Nähe der Hauptstraße, um einen Klassiker der Region zu kosten: Moules frites. Die köstlichen Muscheln, begleitet von knusprigen Pommes frites, waren genau das richtige Gericht für einen kalten Wintertag. Dazu ein gutes Glas Wein und der Blick auf die beleuchteten Straßen … mehr brauchten wir nicht um vollends zufrieden zu sein!
Spätestens seit dem Film „Bienvenue chez les Ch’tis“ hat der Norden Frankreichs viel Aufmerksamkeit bekommen und bei unzähligen Menschen Anklang gefunden. Die charmante Komödie hat weit über die Landesgrenzen hinaus das Bild einer Region geprägt, deren Bewohner mit viel Herzlichkeit, Humor und einer gesunden Portion Selbstironie auftreten. Natürlich ist Kino nicht Wirklichkeit, doch der herzliche Empfang und die entspannte Lebensart der Menschen bestätigten viele der positiven Eindrücke. Man fühlt sich schnell willkommen, auch wenn man (wie wir) nur für wenige Tage zu Gast ist.
Nach unserer städtischen Etappe zog es uns Richtung Wimereux, dem ältesten Badeort an der französischen Opalküste. Wir bewunderten die fantasievollen Häuser im anglonormannischen Stil und flanierten trotz Wind und Kälte entlang der Strandpromenade („La Digue“), die im Sommer von den typischen blau-weißen Strandkabinen gesäumt ist und als eine der schönsten der Region gilt.
WILDE KÜSTE UND WELSH-VERKOSTUNG
Die Gezeiten sind hier besonders extrem: Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und gibt riesige Sandflächen und Felsen frei, die ideal zum Spazieren (und Krebssuchen!) sind. Gerade im Winter hat dieser Ort einen ganz eigenen Reiz.
Der Wind wehte kräftig, die Möwen zogen ihre Kreise über den Wellen und das Meer zeigte sich in unzähligen Grau- und Blautönen. Dick eingepackt trotzten wir der frischen Brise und atmeten die salzige Meeresluft ein. Wie gut fühlte sich doch ein richtiger Winter an!
In Wimereux konnten wir eine weitere regionale Spezialität kosten: den „Welsh“, ein mit Bier getränkter und Schinken belegter Toast, der mit einer besonderen Mischung aus geschmolzenem Cheddar überbacken wird. Im Laufe der Jahre hat sich dieses Rezept weiterentwickelt und ist aus den nordfranzösischen Speisekarten nicht mehr wegzudenken.
Bei unserer Heimfahrt sprachen wir uns darüber, wie abwechslungsreich diese wenigen Tage gewesen waren. Eine reizvolle Stadt mit festlichem Glanz, die dramatische Schönheit einer winterlichen Küste… manchmal genügen eine kalte Meeresbrise und eine dampfende Portion Muscheln, um mit einem Lächeln wieder nach Hause zurückzukehren.
Ach, was war der Winter doch für eine schöne Jahreszeit!
Lydia Mutsch
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