Winterreifen auf meinem Fahrrad – im Ernst?

Veröffentlicht am 17.12.2021

Das mag einem zunächst mal etwas albern erscheinen. Im Zuge der Entwicklung der sanften Mobilität in allen Jahreszeiten gehört allmählich aber auch das Aufziehen spezieller Reifen dazu. Zehn Modelle waren auf dem Prüfstand.

Was bei Autos eine Selbstverständlichkeit ist, steckt bei Fahrrädern noch in den Kinderschuhen, nämlich die Verwendung von Reifen, die an winterliche Wetterverhältnisse angepasst sind. In dieser Hinsicht muss man unterscheiden zwischen Winterreifen mit weicherem Gummigemisch und festerem Profil für eine bessere Haftung auf rutschigen Flächen und Spikereifen, die mit Nägeln aus Hartmetall für optimale Haftung auf Eis sorgen.

Dieser Test von Winterreifen für Fahrräder, der in Zusammenarbeit mit dem TCS (Touring Club Suisse) und dem ADAC durchgeführt wurde, zeigt deutliche Unterschiede zwischen Spikereifen und Winterreifen, aber auch gegenüber Sommerreifen.

Unter winterlichen Wetterbedingungen hatten Spikereifen große Vorteile bei Bremstests auf Schnee, bei Messungen der statischen Reibung auf Eis sowie bei subjektiven Fahrtests. Auf Glatteis sind sie zudem die einzige Reifenart, die überhaupt ein Mindestmaß an Sicherheit bietet. Alle Spikereifen sind aufgrund der Vibrationen und der Geräuschentwicklung allerdings sehr unangenehm auf Asphalt und empfehlen sich daher nur für verschneite Straßen.

  ©Velojournal/Mirjam Graf


Continental und Retyre liegen vorn

Auch Winterreifen bieten auf Schnee und Eis bestimmte Vorteile gegenüber Sommerreifen. Zudem lassen sie sich auch auf Asphalt gut fahren. Winterreifen eignen sich also für die Radfahrer, die auch im Winter nicht auf ihre zwei Räder verzichten wollen. Unter den getesteten Modellen schlug sich der Continental Top Contact Winter auf fast allen Oberflächen sehr gut, während er bei Fahrten auf Eis weniger gut abschneidet. Seine reflektierenden Seitenwände machen ihn auch zu einer guten Wahl für schnelle E-Bikes.

Im Rahmen dieser Studie wurde auch der Retyre getestet. Er wird wie eine zweite Haut mit einem äußerst praktischen Reisverschlusssystem auf den Reifen aufgezogen. Sein Verhalten ist beispielhaft und auf allen Oberflächen überdurchschnittlich gut. Allerdings ist dieser Reifen auch der bei weitem teuerste und schwerste im Test.
 

                                                                                     ©Velojournal/Mirjam Graf
 

Tipps des ACL

  • Spikereifen eignen sich für Schnee und Eis, aber nicht für längere Fahrten auf Asphalt.
  • Nur Spikereifen ermöglichen sicheres Fahren auf Glatteis.
  • Winterreifen bieten mit ihrem stärkeren Profil und ihrer weicheren Gummimischung eine bessere Haftung auf rutschigen Flächen.
  • Auch Sommerreifen lassen sich auf Schnee fahren, aber mit besonderer Vorsicht.
  • Durch die Absenkung des Reifendrucks von 6 auf 2 Bar lässt sich der Bremsweg auf Glatteis um 25% verkürzen. Bei dieser Maßnahme ist jedoch Vorsicht geboten, denn geringer Luftdruck in den Reifen erhöht das Risiko, einen Platten zu bekommen, ganz erheblich.
  • Wenn man keine Spikereifen fährt, ist mit der Vorderradbremse im Winter äußerst sparsam umzugehen.

 
Auswertungstabelle aller Spike-, Winter- und Sommerreifen.pdf
 

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