Wenn wir einen Helm tragen, sind wir alle Piloten

Veröffentlicht am 08.03.2022

Anlässlich des Internationalen Tags der Frauenrechte hatten das Nationale Konservatorium für Historische Fahrzeuge (Conservatoire national des véhicules historiques) und der ACL die belgische Rennfahrerin Vanina Ickx eingeladen, um über die Rolle der Frauen im Motorsport zu sprechen. Interview.

 

Was bedeutet es, eine Frau in der Welt des Motorsports zu sein?
Vanina Ickx: Als Kind habe ich nie davon geträumt oder damit gerechnet, Autorennen zu fahren. Ich weiß, dass es aus dem Munde der Tochter eines Champions wie meinem Vater überraschend klingen mag, aber ich bin durch reinen Zufall dazu gekommen. Es war immer ein Weg voller Überraschungen und Wendungen, vom Anfang bis zum Ende.
Als Frau habe ich mich immer als etwas Besonderes gefühlt, weil wir im Motorsport so selten sind. Ich fand es spannend, aber auch anspruchsvoll. Oft müssen wir in Männerkreisen als Frauen viel mehr Energie aufwenden als unser männlicher Gegenpart. Aber insgesamt ist es eine sehr schöne, bleibende Erfahrung bleiben.

Von außen betrachtet gewinnt man den Eindruck, dass die FiA gegen den Strom schwimmt, da sie keine internationalen Veranstaltungen für Männer und Frauen organisiert, wie es z. B. bei der FIFA der Fall ist, die eine Weltmeisterschaft für Männer und Frauen ausrichtet. Welchen Eindruck hinterlässt das bei Ihnen?
Ich denke, dass es in der Welt des Motorsports noch viel, sehr viel zu tun gibt, um Frauen zu integrieren. Man sieht auch in der Gesellschaft, dass es schwierig oder zumindest sehr zeitaufwendig ist, das Bild der Frau in der Gesellschaft zu verändern. Das gilt sowohl für das Leben im Alltag als auch für den Motorsport.

Aus meiner Sicht spielen die Institutionen und Verbände im Sport eine wichtige Rolle, um Veränderungen herbeizuführen. Die meiste Energie sollte in den Pool der jungen Piloten investiert werden, um diese Veränderung zu erreichen. Hier gibt es übrigens die meisten Initiativen für junge Mädchen, insbesondere das FIA-Kartprogramm „Girls on Track“, bei dem junge Frauen in ganz Europa entdeckt werden.
Danach muss natürlich eine Kontinuität in den Wettbewerben gewährleistet sein. In Europa gibt es zum Beispiel eine Frauenmeisterschaft für Einsitzer. Die Frage ist: Was macht die Gewinnerin, nachdem sie diese Meisterschaft gewonnen hat? Wie geht es für sie weiter? Der Wettbewerb muss bis auf die höchste Ebene fortgesetzt werden können. Wenn es gelingt, einen Mentalitätswandel an der Basis der Pyramide herbeizuführen, glaube ich, dass wir eines Tages eine Frau sehen werden, die ihre Titelchancen unter den Männern in der Formel 1 verteidigt.
Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, die Meisterschaften für Männer und Frauen zu trennen, denn es mangelt stets an Teilnehmerinnen, um vollständige und hochklassige Meisterschaften zu ermöglichen.

Ein Wort der Ermutigung für junge Frauen, die sich vom Motorsport angesprochen fühlen, aber zögern, diesen Schritt zu wagen?
Ich begegne immer mehr jungen Frauen, die Lust und Leidenschaft für den Motorsport haben. Natürlich ermutige ich sie, diesen Weg zu gehen. Sie stehen den Jungen in ihrem Alter in nichts nach. Wenn wir einen Helm tragen, sind wir alle Piloten, egal ob wir Mann oder Frau sind.

Im Kartsport sieht man regelmäßig junge Frauen, die Männer schlagen, ich wüsste nicht, warum das in anderen Kategorien nicht auch so sein sollte. Aber wir müssen eben mehr sein, wenn wir an den Start gehen.

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