Was passiert, wenn wir alle elektrisch fahren?

Veröffentlicht am 10.11.2021

Die als Allheilmittel gepriesene Elektromobilität ist mit einigen Herausforderungen verbunden, insbesondere im Hinblick auf die Stromversorgung. Der ACL hat sich das konkrete Beispiel des Autobahnrastplatzes Aire de Berchem angeschaut.


Als der ACL am 7. Oktober dieses Jahres den Energieminister Claude Turmes und den Präsidenten des Groupement Petrolier Luxembourgeoise (GPL) zusammen an einen Tisch brachte, hatte er seine Herausforderung bereits gemeistert. Doch als die beiden Herren das Webinar des ACL verließen, zu dem sie in der Bereitschaft zu einer engeren Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer nachhaltigeren individuellen Mobilität eingeladen waren, stand fest, dass ein großer Schritt nach vorn gemacht worden war.

Und das aus gutem Grund, denn die Elektrifizierung der europäischen Automobilflotte wird auch einen erheblichen Anstieg der Stromnachfrage mit sich bringen. Und die größte Herausforderung wird darin bestehen, sie zu decken, ohne dass das Stromversorgungsnetz zusammenbricht. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass heute auf der ganzen Welt über eine Milliarde Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind.
 

Die Auswirkung der Elektrifizierung im Fall der Aire de Berchem

Ganz konkret gefragt: Wie könnte Luxemburg in der heutigen Situation damit umgehen, wenn beispielsweise die Autos und LKW, die auf der Aire de Berchem Halt machen, um vollzutanken, mit Elektromotoren betrieben würden?

Die Experten des ACL haben dieses Szenario durchgespielt. Und die Ergebnisse sind in vieler Hinsicht aufschlussreich. Heute halten jedes Jahr fast eine Million Autos und über 165.000 LKW in Berchem in Richtung Luxemburg-Frankreich, um zu tanken. Das entspricht fast 100 Millionen Litern Kraftstoff.

Um dieses Aufkommen zu bewältigen, sind die 20 Zapfsäulen, die zurzeit in Betrieb sind, ausreichend, weil man ein Mittelklasseauto in weniger als zwei Minuten volltanken kann. Bei Elektroautos sieht die Sache ganz anders aus, wie man der untenstehenden Tabelle entnehmen kann.



Denn wenn 60 % der Autos elektrisch angetrieben würden, müssten mindestens 40 HPC-Ladestationen (Schnellladestation mit 100 kW) installiert werden oder sogar das Doppelte, wenn man den Verkehrsfluss in der Ferienzeit berücksichtigt.

Man stellt fest, dass die Situation alles andere als selbstverständlich ist, und Autofahrern sei dringend geraten, ihre Gewohnheiten in den kommenden Jahren massiv zu verändern.

Und selbst wenn der Stromnetzbetreiber Creos versichert, dass das nationale Netz eine Nachfrage von bis zu 1.100 zusätzlichen GWh pro Jahr decken kann, würde allein die Tankstelle von Berchem in Richtung Luxemburg-Frankreich 53,4 GWh verbrauchen. Das entspräche einem Hundertstel des landesweiten Jahresverbrauchs, um einen gleichwertigen Service zu gewährleisten. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Zahlen auf einer zurückhaltenden Annahme beruhen, nach der 2040 60 % der heutigen Fahrzeuge elektrisch wären und nur 30 % der LKW.

Für Energieminister Claude Turmes bekräftigen diese Zahlen nur seinen Willen, „eine bessere Politik zu machen, um schneller mehr Energieeffizienz zu erreichen“. Für den Präsidenten des GPL Romain Hoffmann „wird hierdurch ein Rahmen geschaffen, in dem man sich bewegen kann und in dem alle – sowohl der öffentliche als auch der private Sektor – zusammenarbeiten müssen, um die Elektromobilität zu fördern und ihr eine Chance zu geben“.
 

Auch an alternative Quellen denken

Für den ACL ist klar, dass die Mobilität natürlich nachhaltiger werden muss. Dabei sollte man jedoch nicht die anderen alternativen und sauberen Energiequellen außer Acht lassen, indem man sich allein auf Elektromobilität fokussiert. Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und auch effizientere Biokraftstoffe könnten den Übergang zu einer saubereren Mobilität erleichtern oder sogar langfristig zu glaubwürdigen Alternativen werden.

Die Entwicklung der Elektromobilität, wie sie heute geplant ist, wirft zudem weitere grundlegende Fragen auf, insbesondere die nach der Stromversorgung. Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft, die von Creos in Betracht gezogen werden, um den geschätzten Anstieg der Nachfrage aufgrund der Elektromobilität zu decken, werden hierfür allein nicht ausreichen, und zwar aus dem einfachen Grund, dass sie intermittierend sind und die Unterstützung durch steuerbare Energiequellen erfordern. Das erklärt, warum Kohle, Erdgas und Kernspaltung heute die drei wichtigsten Quellen der Stromerzeugung sind und es noch viele Jahre bleiben werden.   
 

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